Sonnenstadt

 

Kinder musizieren gemeinsam Glückliches Kinderlachen sonnenstadt Einblicke in die "Sonnenstadt" Die Kinder können hier Kinder sein

 

 

"Ich glaube, dass niemand seinen Nächsten dadurch ?retten? kann, dass er für ihn eine Entscheidung trifft. Die einzige Hilfe besteht darin, dass er ihn in aller Aufrichtigkeit und Liebe sowie ohne Sentimentalität und Illusionen auf mögliche Alternativen hinweisen kann.? Erich Fromm

 

?Sonnenstadt? - Zentrum für Mütter und Kinder

Auf eigenen Füßen stehenDie ?Sonnenstadt? in Donezk startete als Zufluchtsraum für Straßenkinder und ist heute ein Zentrum für junge Mütter, die aus schwierigen Verhältnissen kommen. In zwei Häusern können die jungen Mädchen und Frauen während der Schwangerschaft und nach der Geburt gemeinsam mit ihren Kindern leben, bis sie neu auf eigenen Füßen stehen können. Sie erhalten sozialpädagogische, psychologische und juristische Unterstützung, um ihnen zu ermöglichen eine familiäre Bindung zu ihren Kindern und ein sicheres Zuhause aufzubauen. 

Regelmäßig lebten zwischen 6-20 Mütter mit ihren Kindern im Zentrum. 2014 wurde jedoch durch die Kriegshandlungen das Stammhaus der ?Sonnenstadt? beschädigt, so das derzeit nur in einem Haus Mütter und Kinder leben können. Während die jungen Frauen gerade in diesen schweren Zeiten der Zuwendung und Zentrum für Mütter und KinderHilfestellung besonders bedürfen, kämpfen die MitarbeiterInnen mit den fehlenden Mitteln. Denn es ist schwer in Donezk Unterstützung zu erhalten. Wir haben uns daher entschieden, die ?Sonnenstadt? mit 600 Euro im Monat zu unterstützen, um wenigstens das Nötigste zu ermöglichen. Hierfür sind wir auf Spenden angewiesen. Jede Spende mit dem Stichwort ?Sonnenstadt? wird ohne Abzug weitergeleitet.

Bei Interesse zur aktuellen Situation der Mütter und Kinder und der Möglichkeiten zur Unterstützung freue ich mich über Ihre Fragen. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

 

Historie der ?Sonnenstadt?

Arbeit auf der StraßeTatjana Nosatsch, die Gründerin des Alternativen Jugendzentrums, dem Träger der ?Sonnenstadt? in Donezk, begann die Arbeit vor gut 15 Jahren mit dem Ziel die Gesellschaft von unten zu ändern. 2004 schrieb sie in einer Donezker Zeitung in einem Artikel um MitstreiterInnen zu gewinnen:

?Wir [Kollektiv der ?Sonnenstadt?] haben uns zusammengetan, um gemeinsam mit anderen jungen und aktiven Einwohnern der Stadt zu lernen selbständig alltägliche Probleme zu lösen. Unsere Organisation ist nicht politisch ? unsere Hauptaufgaben sind sozialer Natur. [...] 

?Heute ist es in der gegenwärtigen Ukraine sehr typisch sich nicht gebraucht zu fühlen, nutzlos, weggeworfen. Wir wollen das ändern.? [...]?Wir müssen uns alle darauf besinnen, was selbstverständliche gegenseitige Hilfe und Solidarität für Menschen bedeutet in der Lösung aller Probleme.? [...]

?Wir brauchen vor allem aktive Menschen, ganz besonders solche die es für notwendig erachten die Beziehung zwischen Menschen zu verändern.? Den vollständigen Text des Artikels können Sie hier einsehen.

2001 hatten sie begonnen mit Kindern zu arbeiten, die auf der Straße zu lebten und niemanden hatten der ihnen echten Rückhalt gab. Ihnen wollten sie eine Perspektive eröffnen. In der respektvollen Haltung in der Tatjana Nosatsch und ihre MitstreiterInnen den Kindern gegenübertraten, bezogen sie sich auf Erich Fromm: "Ich glaube, dass niemand seinen Nächsten dadurch ?retten? kann, dass er für ihn eine Entscheidung trifft. Die einzige Hilfe besteht darin, dass er ihn in aller Aufrichtigkeit und Liebe sowie ohne Sentimentalität und Illusionen auf mögliche Alternativen hinweisen kann.? 

 

Zentrum für Straßenkinder

Die SonnenstadtDoch in der Arbeit auf der Straße war es schwierig eine solche echte Perspektive aufzuzeigen und so gründete die Gruppe ein festes Zentrum für Straßenkinder in der Nähe des Bahnhofes. Einige Jahre lief das Zentrum als reines Tageszentrum, in dem die Kinder tagsüber einen geschützten Raum fanden. Hier konnten sie sich selbst und ihre Wäsche waschen, essen, an Sport- oder Musikkursen teilnehmen, lesen etc. Angeregt durch die Bedürfnisse der Kinder, die einen wirklichen Zufluchtsraum suchten, wurde die ?Sonnenstadt? 2007 zu einem Zentrum, in dem Kinder auch übernachten und eine zeitlang leben konnten, bis sie in sich die Kraft fanden ganz von der Straße wegzuziehen mit Unterstützung der MitarbeiterInnen der ?Sonnenstadt?.

Um den Kindern den Weg zurück in ihre Familien oder in staatliche Bildungseinrichtungen zu Arbeit in Kinderheimenerleichtern, arbeiteten die MitarbeiterInnen nach Möglichkeit auch mit den Familien und setzten sich für einen Richtungswandel in den städtischen Einrichtungen ein. Tatsächlich gingen in diesen Jahren die Zahlen der Kinder, die auf der Straße lebten zurück. Es begann sich ein positiver Wandel abzuzeichnen.

Diese Ausbauphase des Projektes konnten wir mit Mitteln der Aktion Mensch wesentlich unterstützen.

 

Neuausrichtung

Mütter mit KindernDurch ihre Arbeit, genauer durch ihre jugendlichen Klienten, wurde Tatjana Nosatsch 2009 auf noch eine andere Problematik aufmerksam: die Schwierigkeiten minderjähriger Mütter, die selbst in Heimen groß geworden waren. Es war eine oft praktizierte Übung in den städtischen Geburtshäusern, ihnen ihre Kinder gleich nach oder wenige Tage nach der Geburt wegzunehmen, mit der Begründung, dass sie keine Mütter sein könnten. Diese Praxis hinterließ traumatisierte junge Frauen und Kinder, die in Heimen aufwuchsen. Eine nächste verlassene Generation. Beides wollte Tatjana Nosatsch verhindern. Von dem Ansatz getragen, dass Kind und Eltern die Chance auf eine familiäre Beziehung erhalten sollten, wollte sie einen Weg schaffen, der die jungen Mütter befähigt, eine familiäre Beziehung aufzubauen, anstatt es ihnen abzusprechen. Dabei war ihr aus der Arbeit mit den Familien durchaus bewusst, dass tatsächlich manchmal gelernt werden muss, was ein positives Bild einer Familie sein kann. Sie begann daher intensiv mit den werdenden Müttern zu arbeiten.

 

Zentrum für Mütter und Kinder

Sonnenstadt die ersten kleinen Bewohner2009 war es eine noch mehr spontan, aus der Not geborene Intervention, dass zwei junge Mütter mit ihren Kindern in der ?Sonnenstadt? aufgenommen wurden, damit sie ihre Kinder bei sich behalten konnten. Als zwei Klienten des Jugendzentrums Tatjana Nosatsch auf das Schicksal der Mütter hinwiesen, zögerte nicht lang. Sie setzte sich für die beiden Mütter und Kinder ein, obwohl dies keine einfache Auseinandersetzung mit den zuständigen Behörden bedeutete, bevor beide Mütter mit ihren Kindern gemeinsam in die ?Sonnenstadt? ziehen konnten.

Diese zwei Kinder, die ihre ersten zwei Lebensjahre in der ?Sonnenstadt? die Welt entdeckten, gehen heute bereits in die Schule. Eine der beiden jungen Mütter, Katarina, arbeitet mittlerweile selbst als Betreuerin in der ?Sonnenstadt?, die 2010 offiziell zu einem Zentrum für junge Mütter und ihre Kinder wurde. 

Seither finden werdende Mütter hier regelmäßig eine Unterkunft. Sie werden während der Schwangerschaft begleitet und können nach der Entbindung bis zu zwei Jahre in der ?Sonnenstadt? leben. Oft braucht es jedoch gar nicht so lange. Wenn sich die Mütter stabilisiert haben, unterstützen die MitarbeiterInnen der ?Sonnenstadt? sie bei der Suche einer Wohnung und helfen ihnen bei der Auseinandersetzung mit den staatlichen Behörden. Während der Zeit in der ?Sonnenstadt? geht es auch um den Aufbau einer eigenen, selbständigen Lebensperspektive. Die jungen Frauen werden aufgefordert und ermutigt, eine Ausbildung zu machen, oder sich eine feste Arbeit zu suchen. Indem sie wechselseitig auf ihre Kinder aufpassen, ermöglichen sich die jungen Frauen die Chance eine Ausbildung zu beenden in ihrer Gemeinschaft gegenseitig.

 

Aktuelle Situation der ?Sonnenstadt?

Sonnenstadt Januar 2016Im Frühjahr 2014 brach in der Ostukraine der bewaffnete Konflikt aus. Es war von Anfang an auch ein Informationskrieg, mit dem die Menschen gesteuert werden sollten und Hass gezielt produziert wurde. 

Keiner hatte geahnt, dass ein derartiger Keil mitten in die ukrainische Gesellschaft getrieben würde. 

Doch eben damit müssen unsere Freunde in der Ukraine, in Kiew wie in Donezk derzeit umgehen. 

Kampfhandlungen zerstörten Menschenleben und nahmen vielen die gerade langsam erarbeitete Hoffnung in die Zukunft.

?Es ist als, würde alles von vorne beginnen. Wir sehen wieder neue Verwahrlosung von Kindern.? schrieb Tatjana Nosatsch im September 2015 und die Situation scheint sich im Moment eher weiter zu verschlechtern, obwohl fast alle Menschen in der Region schlicht Frieden wollen. 

Zusätzlich zu der schwierigen Situation in Donezk, leiden unsere Partner sehr darunter, dass sie weitgehend abgeschnitten sind von Unterstützung von Außen. Kinder werden weiterhin geboren und ihre Mütter brauchen gerade jetzt die Unterstützung noch dringlicher. Um die Arbeit der MitarbeiterInnen der ?Sonnenstadt? in dieser Zeit zu unterstützen, senden wir daher seit dem Herbst 2015 monatlich 600 Euro für den Unterhalt des Zentrums für Mütter und Kinder in Donezk. Hierfür sind wir auf Spenden  angewiesen. Jede Spende wirkt ? vielen Dank!

Am 19. Februar 2016 schrieben uns die MitarbeiterInnen der ?Sonnenstadt? ihren Dank für die kontinuierliche Unterstützung aus Bochum.

?Sehr geehrte Mitglieder der Gesellschaft Bochum-Donezk.

Vielen Dank Ihnen allen dafür, dass Sie unsere Stadt und unsere Mütter und Kinder nicht allein gelassen haben in diesem Moment.

Danke, dass Sie uns unterstützen,

Danke, dass Ihnen Menschen wichtiger sind als Parolen!

Dies ist derzeit so notwendig für uns, die wir in unserer Stadt geblieben sind um ihren BewohnerInnen zu helfen ? uns ist Ihre Unterstützung so wichtig, nicht nur die materielle, auch die moralische! Es bedeutet uns viel, dass Sie mit uns geblieben sind, dass Sie sich an uns erinnern, an uns denken.

Gerade Ihre Unterstützung hat uns geholfen, dass wir unser Haus offen halten konnten für Mütter und Kinder, ohne Sie hätten wir schon schließen müssen. Sehr gerne möchten wir Sie zu uns als Gäste einladen, wenn wieder Friede einkehrt!!!! 

Wir sind Ihnen maßlos dankbar für diese Möglichkeit für uns zu überleben und Donezk und seine BewohnerInnen behilflich zu sein.

Dank von allen unseren MitarbeiterInnen und unseren Schützlingen!

Respektvoll

Das Kollektiv des Zentrums für Mütter und Kinder ?Sonnenstadt? und die Leiterin

Tatjana Nosatsch?

 

Möchten Sie für dieses Projekt spenden, nutzen Sie bitte unser Spendenkonto unter der Verwendung des Stichwortes: "Sonnenstadt". Jede Spende geht in voller Höhe an die ?Sonnenstadt?. Auch kleinere Beträge im Dauerauftrag sind natürlich eine große Hilfe. Bei Angabe Ihrer Adresse erhalten Sie eine Spendenquittung.

Bei Interesse zur aktuellen Situation der Mütter und Kinder und der Möglichkeiten zur Unterstützung freue ich mich über Ihre Fragen und vermittle gerne auch einen Kontakt nach Donezk.

Beatrice Nolte
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Filmtipp:
Einen kleinen Einblick in den Hintergrund der Arbeit in der Sonnenstadt erhalten sie in dem Kurzfilm "The Difficult One" von den jungen Filmemacher Ella Shtyka und Dimitriy Tyazhlov aus Kiew: https://vimeo.com/13781839

Berlin, 22.02.2016

Beatrice Nolte