Terminkalender

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Emotionen, Eindrücke und Erlebnisse: Bochumer Delegation zu Gast in Donezk

donezk_05Es war ein Besuch bei Freunden: Eine hochranginge Bochumer Delegation aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Presse - allen voran OB Ernst-Otto Stüber - reiste am letzten Wochenende zu einem gut zweitägigen Besuch in die ukrainische Partnerstadt Donezk. Für Stüber war es die letzte „offizielle“ Visite in seiner Funktion als Oberbürgermeister - doch die Verbundenheit mit den „Freunden“ aus Donezk, die werde auch über das Ende seiner Amtszeit hinaus fortbestehen, versicherte das Bochumer Stadtoberhaupt. Für die Bochumer Gäste bot der volle Terminkalender ein Wechselbad von Eindrücken und Erlebnissen: Der beeindruckendste Moment: Der Besuch in der Klinik für leukämiekranke Kinder.

Bochumer erleben in Donezk echte Gastfreundschaft und Dankbarkeit

In der Ukraine prallen Gegensätze aufeinander - Positive Entwicklungen in den letzten Jahren

donezk_04Die Zukunft, sie hat bereits begonnen im Gusak-Klinikum inmitten der Bergbau- und Stahlstadt Donezk: Hoch oben, im vierten Stock, abgeschottet hinter dicken Türen, und mit einem eigenen Sauerstoffkreislauf hermetisch von der Umwelt abgeschottet, verbirgt sich der ganze Stolz von Klinikleiter Professor David Gin: Die nagelneuen Laboratorien, im Herbst letzten Jahres in Betrieb genommen und ausgestattet nach modernstem westlichen Standard. Doch die ukrainische Realität, sie beginnt gleich ein paar Treppen tiefer: Schlammige Wege auf dem Klinikgelände, marode Gebäude, zugige Flure und Fernwärmerohre, die mit dicken Schichten von Zeitungspapier nur notdürftig isoliert worden sind. Traum und Wirklichkeit - selten klaffen sie so weit auseinander und liegen doch so nah beieinander wie in Donezk. Davon konnte sich die Bochumer Delegation bei ihrem Besuch in der Ukrainischen Partnerstadt überzeugen.

donezk_06Die ukrainischen Partner hatten für die Bochumer Gäste ein eng gestecktes Programm vorbereitet, das Vorzeigeobjekte ebenso zeigte wie die Realität des Alltags: Moderne, zukunftsweisende Projekte wie das Sport- und Freizeitzentrum „Viktoria“, das mit Nobel-Hotel, Schwimmbad, Tennisplätzen, Squashcourts und Fitnesscenter vor allem auf die Bedürfnisse einer zahlungskräftigen Klientel ausgerichtet ist, die erfolgreiche Brauerei „Sarmat“ oder das Trainingszentrum des Fußballclubs „Schachtjor“ auf der einen Seite; das „Bochumer Haus“, mit seiner Sozialstation - getragen vom Freundeskreis Bochum-Donezk - oder die Klinik für leukämiekranke Kinder auf der anderen Seite. Und besonders hier, auf dem Gelände der Klinik, treffen Zukunftsvision und Realität hart aufeinander.
Kinder der Leukämiestation des Bezirkskrankenhauses können in der neu eingerichteten hochmodernen Laborstation mit Knochenmarkstransplantationen und Eigenbluttherapien behandelt werden. Drei kleine Patienten, so Prof. Grin, habe man bereits erfolgreich behandelt, zwei weitere bereite man auf diese Therapien derzeit vor. Im zweiten Bereich des Labors - ein „Hochsicherheitstrakt“ mit modernster Filtertechnik - sei man in der Lage, Hauttransplantate für schwerst Brandverletzte, häufig verunglückte Bergleute der umliegenden Gruben, zu züchten. Zu sehen bekommen die Besucher aus Deutschland davon indes nichts.

Dankbarkeit

donezk_07Dafür aber sehen sie die kleinen Patienten der benachbarten onkologischen Kinderklinik unter der Leitung von Dr. Katharina Vilchevskaja: Rund 40 leukämiekranke Kinder werden derzeit dort behandelt, wohnen gemeinsam mit ihren Müttern in der Klinik. Und die Besucher sehen - neben der tiefen Traurigkeit ob der schrecklichen Krankheit - auch die echte Dankbarkeit in den Augen der Kinder und ihrer Mütter. Denn dank der Spendengelder für Medikamente aus Bochum, dank der Weiterbildung von Ärzten und Pflegepersonal in der Uni-Kinderklinik Essen konnte die Erfolgsquote bei der Behandlung seit 1992 von 5 - 10 Prozent auf fast 75 Prozent gesteigert werden. Das jüngste Erfolgserlebnis der Bochumer Hilfsaktionen: 19 neue Fenster - allesamt in Bochum passgenau gefertigt - trotzen jetzt dem rauhen ukrainischen Klima.
„Zum ersten Mal mussten unsere Kinder in diesem Winter nicht frieren, haben sich keine Lugenentzündung geholt“, berichtet Dr. Vilchevskaja den Besuchern. Und als eine Mutter - stellvertretend für alle Betroffenen - die Dankbarkeit für die Bochumer Hilfe zum Ausdruck bringt, da stehen allen Besuchern Tränen in den Augen: „Es ist ein großer Trost für uns zu wissen, dass fremde Menschen im fernen Bochum an unsere kranken Kinder denken und Anteil an unserem Schicksal nehmen.“
Das Bochumer Engagement trägt weitere Früchte: Die ukrainische Regierung hat zugesagt, Mittel für die Sanierung der Klinikgebäude zur Verfügung zu stellen. „Und wir hoffen, schon in drei Jahren so weit zu sein, dass die gesamte Klinik auf einem ähnlich hohen Standard arbeiten kann, wie unser neues Labor“, blickt Professor Grin in die Zukunft. „Ich weiß, dass dies ein ehrgeiziges Ziel ist.“
Konkrete Hilfe aus Bochum gibt es auch im „Bochumer Haus“, einer Initiative des Pfarrers im Ruhestand Manfred Schmidt und des Freundeskreises Bochum-Donezk. Es ist Begegnungsstätte, Raum für Gottesdienste, leistet aber auch praktische Hilfe: Es dient unter anderem als Anlaufstelle für ältere Menschen des Bezirks, verteilt Kleidung und Hilfsgüter, die in Bochum gesammelt wurden, bildet Frauen zu Altenpflegerinnen aus und eröffnet ab Mai eine Diakonie-Station. Gerade erst ist wieder ein Hilfstransport aus Bochum dort eingetroffenen; die Spenden werden nun sortiert und an die Bedürftigen verteilt.

Positive Signale

donezk_02Positive Signale gab es auch für die Bochumer Wirtschaftsvertreter, IHK-Präsident Gerd Pieper, Reinhold Zimmermann, Geschäftsführer von „Zimbo“ und Dr. Harry Gründer, Geschäftsführer von „Tedata“, der bereits durch Kooperationen mit der Universität in Donezk engagiert ist. „Wir haben Gespräche mit örtlichen IHK geführt und dabei sehr positive Signale empfangen“, so Willy Gründer.
„Die Patenschaft zwischen Bochum und Donezk wird bald 18 Jahre alt, also sozusagen ‘volljährig’“, zieht Ernst-Otto Stüber Bilanz. „Und wir können sehen, welche enorme Entwicklung die Stadt in all’ den Jahren hinter sich gebracht hat. Es ist langsam an der Zeit, dass die Beziehungen zwischen unseren beiden Städten über die humanitäre Hilfe und Freundschaftsbeziehungen hinaus gehen und sich nun langsam auch Wirtschaftsbeziehungen entwickeln, die für beide Partner fruchtbar sind.“ Eines steht für das Bochumer Stadtoberhaupt fest: „Bochum und Donezk verbindet eine tiefe Freundschaft. Und wer die Herzlichkeit und die Gastfreundschaft mit erlebt hat, mit der wir hier empfangen worden sind, der weiß, wovon ich spreche.“

Quelle: Stadtspiegel Bochum